Buddhistische Geschichten

 

 

 

Das Medaillon

 

Ein junger Mann kam zu einem Sufi-Meister und sagte:

„Meister, ich fühle mich so wertlos. Immer wieder bekomme ich zu hören, ich sei ein Nichtsnutz und zu nichts zu gebrauchen.

 

Was kann ich tun, um ein wertvoller Mensch zu werden?“

 

Der Meister antwortete: „ Wenn du mir zuerst bei einer kleinen Sache helfen würdest, könnte ich mich danach um dein Problem kümmern“

 

Der junge Mann stimmte zu und der Meister drückte ihm ein Medaillon in die Hand mit den Worten: „ Geh zum Markt und verkaufe dieses Medaillon auf  keinen Fall für weniger als ein Goldstück.“

 

Der junge Mann ging davon aus, dass das Schmuckstück vermutlich deutlich weniger wert sei. Aber er wollte den Auftrag des Meisters erfüllen und versuchte, auf dem Markt mit verschiedenen Händlern ins Geschäft zu kommen.

Keiner wolle ihm auch nur ein Silberstück für das Medaillon geben.

 

Enttäuscht kam er schließlich zum Meister zurück und sagte, es sei im leider nicht geglückt, die Händler vom Wert des Medaillons zu überzeugen.

 

„Nun“, sagte der Meister, „dann geh zum Schmuckhändler und frage ihn einfach, was er dir für das Medaillon geben würde.“

 

Als dieser ihm fünf Goldstücke anbot, kam der junge Mann völlig aufgewühlt zum Meister zurück.

 

„Siehst du“ sagt der Meister, „du bist wie das Medaillon – ein Schmuckstück, kostbar und einzigartig.

 

Aber nicht jeder kann deinen Wert erkennen. Warum machst du dich also davon abhängig, was x-beliebige andere Menschen von dir denken?“

 

 

 

 

 

Das Geheimnis der Zufriedenheit

 

Es kamen einmal ein paar Suchende zu einem alten Zenmeister.

„Meister", fragte einer von ihnen „was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein?

Ich wäre auch gerne so glücklich wie du."

Der Alte antwortete mit mildem Lächeln:

„Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich."

Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde.

Einer platzte heraus:

„Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was du sagst, tun wir auch.

Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich.

Was ist also dein Geheimnis?"

Es kam die gleiche Antwort:

„Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich."

Die Unruhe und den Unmut der Suchenden betrachtend, fügte der Meister nach einer Weile hinzu:

„Sicher liegt auch Ihr und Ihr geht auch und Ihr esst.

Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr, wohin Ihr geht und während Ihr geht, fragt Ihr Euch, was Ihr essen werdet.

So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid.

In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt.

Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
Sandra Schmiedl